Heute sehen sich viele Smartphones erstaunlich ähnlich: ein großes Display auf der Vorderseite, mehrere Kameras auf der Rückseite und ein möglichst schlankes Gehäuse. Blickt man jedoch zurück in die Geschichte der Mobiltelefone und Smartphones, wird schnell klar: Das war nicht immer so.
Hersteller experimentierten mit drehbaren Gehäusen, ungewöhnlichen Formen, ausfahrbaren Kameras, zweiten Displays und sogar Bildschirmen, die sich um das Smartphone herumzogen. Manche dieser Ideen verschwanden nach kurzer Zeit wieder. Andere waren ihrer Zeit voraus und beeinflussten Geräte, die wir heute ganz selbstverständlich verwenden.
Wir zeigen Ihnen einige der verrücktesten und außergewöhnlichsten Smartphones und Handys aller Zeiten – von legendären Nokia-Experimenten bis hin zu modernen Foldables.
Nokia N90 – halb Handy, halb Videokamera
Das Nokia N90 gehört zu den Geräten, bei denen man bereits auf den ersten Blick erkennt, dass die Entwickler etwas Besonderes ausprobieren wollten.
Das 2005 vorgestellte Mobiltelefon besaß ein ungewöhnliches, drehbares Gehäuse. Teile des Geräts ließen sich so bewegen, dass das N90 beim Fotografieren und Filmen beinahe wie eine kleine Videokamera gehalten werden konnte.
Für die damalige Zeit war das ein außergewöhnliches Konzept. Während heutige Smartphones ihre Kameras möglichst unauffällig in ein flaches Gehäuse integrieren, wurde die Kamera beim Nokia N90 bewusst zum Mittelpunkt des gesamten Designs.
Aus heutiger Sicht wirkt das Gerät kurios – gleichzeitig zeigt es eindrucksvoll, wie wichtig Smartphone-Kameras bereits lange vor iPhone und Galaxy waren.
Nokia 7600 – eines der ungewöhnlichsten Nokia-Designs
Auch Nokia selbst hatte keine Angst vor Experimenten.
Das Nokia 7600 unterschied sich deutlich von klassischen Mobiltelefonen seiner Zeit. Statt eines länglichen Gehäuses setzte Nokia auf eine ungewöhnliche, fast tropfenförmige Konstruktion.
Die Tasten befanden sich seitlich rund um das Display. Schon das Schreiben einer Nachricht funktionierte dadurch völlig anders als bei einem normalen Tastenhandy.
Das Design konnte sich langfristig nicht durchsetzen. Gerade deshalb ist das Nokia 7600 heute ein perfektes Beispiel für eine Zeit, in der Hersteller noch wesentlich stärker mit der grundlegenden Form eines Mobiltelefons experimentierten.
YotaPhone – vorne Smartphone, hinten E-Reader
Warum sollte ein Smartphone eigentlich nur ein Display besitzen?
Das YotaPhone beantwortete diese Frage auf ungewöhnliche Weise. Auf der Vorderseite befand sich ein klassischer Smartphone-Bildschirm, während die Rückseite mit einem zusätzlichen E-Ink-Display ausgestattet war.
Dieses funktionierte ähnlich wie der Bildschirm eines E-Readers und konnte beispielsweise Texte, Benachrichtigungen und andere Informationen darstellen.
Die Idee war durchaus clever: Für bestimmte Inhalte musste nicht ständig das normale Display aktiviert werden.
Trotzdem setzte sich das Konzept nicht auf breiter Basis durch. Bis heute gehört das YotaPhone aber zu den ungewöhnlichsten Smartphones, die tatsächlich regulär erhältlich waren.
LG Wing – das Smartphone wird zum „T“
Beim LG Wing wurde es noch verrückter.
Auf den ersten Blick wirkte das Smartphone vergleichsweise normal. Das obere Display ließ sich jedoch um 90 Grad drehen. Darunter kam ein zweiter Bildschirm zum Vorschein und das gesamte Smartphone verwandelte sich in eine T-förmige Konstruktion.
So konnten auf beiden Displays unterschiedliche Inhalte dargestellt werden. Beispielsweise konnte auf dem großen Bildschirm ein Video laufen, während der kleinere Bildschirm für zusätzliche Bedienelemente oder andere Anwendungen genutzt wurde.
Das LG Wing war mutig, außergewöhnlich und sofort wiederzuerkennen. Durchsetzen konnte sich das Konzept allerdings nicht.
Gerade deshalb gehört es für uns zu den verrücktesten Smartphones aller Zeiten.
Samsung Galaxy Fold – aus einer verrückten Idee wird eine neue Kategorie
Heute kennt fast jeder faltbare Smartphones. Als Samsung das erste Galaxy Fold präsentierte, wirkte die Idee jedoch noch futuristisch.
Ein Smartphone, das sich aufklappen und anschließend beinahe wie ein kleines Tablet verwenden lässt, stellte die bisherige Bauweise von Smartphones komplett auf den Kopf.
Vor allem technisch war das eine enorme Herausforderung. Ein flexibles Display, ein komplexes Scharnier und ein Gehäuse, das sich ständig öffnen und schließen lässt, mussten miteinander kombiniert werden.
Das Interessante daran: Im Gegensatz zu vielen anderen Experimenten verschwand das Konzept nicht wieder.
Samsung entwickelte seine Foldables über mehrere Generationen weiter. Was zunächst wie ein verrücktes Experiment aussah, entwickelte sich damit zu einer eigenen Smartphone-Kategorie.
Xiaomi Mi Mix Alpha – wenn fast das ganze Smartphone zum Display wird
Das Xiaomi Mi Mix Alpha sah aus wie ein Smartphone aus einem Science-Fiction-Film.
Das Display befand sich nicht einfach nur auf der Vorderseite. Es verlief über die Seiten des Geräts und weiter auf die Rückseite.
Dadurch bestand optisch beinahe das gesamte Smartphone aus Bildschirm.
Klassische seitliche Bedienelemente wurden teilweise durch digitale Lösungen ersetzt. Das Ergebnis war spektakulär – allerdings auch kompliziert für den alltäglichen Einsatz.
Das Mi Mix Alpha zeigte eindrucksvoll, was technisch und gestalterisch möglich ist, wenn ein Hersteller traditionelle Smartphone-Konzepte komplett ignoriert.
Nokia 9 PureView – fünf Kameras sorgen für Aufsehen
Mehrere Smartphone-Kameras sind heute völlig normal. Das Nokia 9 PureView sorgte mit seiner Rückseite trotzdem für Aufsehen.
Mehrere Kameras und Sensoren waren kreisförmig angeordnet und verliehen dem Smartphone einen Look, der sofort auffiel.
Die verschiedenen Kameras sollten gemeinsam Bildinformationen sammeln und daraus hochwertige Aufnahmen erzeugen.
Auch wenn sich dieses spezielle Konzept nicht zum neuen Standard entwickelte, zeigte das Nokia 9 PureView früh, wie wichtig aufwendige Multi-Kamera-Systeme für zukünftige Smartphones werden würden.
ASUS Zenfone 6 – eine Kamera für vorne und hinten
Beim ASUS Zenfone 6 stellte sich der Hersteller eine einfache Frage: Warum braucht ein Smartphone überhaupt eine separate Selfie-Kamera?
Die Lösung war ungewöhnlich.
Das Kameramodul auf der Rückseite konnte motorisiert nach vorne klappen. Dadurch wurde aus der Hauptkamera gleichzeitig die Frontkamera.
Das ermöglichte ein Display ohne klassische Aussparung für eine Selfie-Kamera und sorgte gleichzeitig dafür, dass für Selfies das leistungsfähigere Hauptkamerasystem verwendet werden konnte.
Eine kreative Idee – zum allgemeinen Smartphone-Standard wurde die sogenannte Flip-Kamera allerdings nicht.
RED Hydrogen One – das Smartphone mit räumlichem Display
Mit dem RED Hydrogen One wollte der bekannte Kamerahersteller RED zeigen, dass ein Smartphone völlig anders aussehen und funktionieren kann.
Besonders viel Aufmerksamkeit erhielt das Display, das Inhalte mit einem räumlichen Effekt darstellen sollte.
Bereits das massive und ungewöhnliche Gehäusedesign machte deutlich, dass dieses Smartphone nicht mit einem klassischen iPhone oder Galaxy verwechselt werden wollte.
Der große Durchbruch blieb aus. Trotzdem gehört das Hydrogen One zu den interessantesten Smartphone-Experimenten seiner Zeit.
BlackBerry Priv – Touchscreen und Tastatur gleichzeitig
Heute sind physische Smartphone-Tastaturen nahezu verschwunden. BlackBerry versuchte mit dem BlackBerry Priv, die klassische Tastatur trotzdem in die moderne Smartphone-Welt zu retten.
Auf den ersten Blick sah das Gerät wie ein normales Touchscreen-Smartphone aus.
Schob man das Display nach oben, kam darunter eine vollständige physische Tastatur zum Vorschein.
Damit kombinierte BlackBerry zwei unterschiedliche Generationen von Smartphones in einem einzigen Gerät.
Für Fans physischer Tastaturen war das Konzept interessant. Gegen die vollständig touchscreenbasierte Konkurrenz konnte es sich langfristig jedoch nicht durchsetzen.
Warum waren ältere Handys oft viel verrückter?
Wer alte Mobiltelefone betrachtet, erkennt schnell einen großen Unterschied zu heute.
Hersteller konnten damals wesentlich stärker mit der Form experimentieren. Manche Geräte ließen sich aufklappen, andere drehen oder aufschieben. Tastaturen befanden sich an ungewöhnlichen Stellen und selbst die grundlegende Form eines Handys war nicht festgelegt.
Mit dem Siegeszug großer Touchscreens änderte sich das.
Ein möglichst großes Display benötigt möglichst viel Platz auf der Vorderseite. Dadurch entwickelte sich das rechteckige Smartphone-Design, das heute fast alle Hersteller verwenden.
Die Unterschiede finden inzwischen häufiger im Detail statt: Kameramodule, Materialien, Displaytechnik und Software sollen die einzelnen Modelle voneinander abheben.
Foldables bringen das Experimentieren zurück
Ganz verschwunden sind außergewöhnliche Smartphone-Konzepte allerdings nicht.
Foldables haben Herstellern neue Möglichkeiten eröffnet. Displays können gefaltet und Smartphones dadurch kompakter oder deutlich größer gemacht werden.
Das zeigt auch, wie schwer vorherzusagen ist, welche verrückte Idee tatsächlich eine Zukunft hat.
Das erste Galaxy Fold hätte man problemlos als experimentelles Nischenprodukt abstempeln können. Heute gibt es mehrere Generationen faltbarer Smartphones und unterschiedliche Bauformen.
Vielleicht befindet sich unter den heutigen Experimenten also bereits eine Technologie, die in einigen Jahren völlig selbstverständlich sein wird.
Ungewöhnliche Smartphones stellen besondere Anforderungen an den Schutz
Je außergewöhnlicher ein Smartphone konstruiert ist, desto komplizierter wird häufig auch der passende Schutz.
Drehbare Gehäuse, große Kameramodule, besonders dünne Rahmen oder faltbare Displays benötigen Lösungen, die exakt auf das jeweilige Gerät abgestimmt sind.
Aber auch bei klassischen Smartphones gilt: Eine Hülle sollte nicht einfach nur ungefähr passen. Aussparungen für Kameras, Tasten, Lautsprecher und Anschlüsse müssen auf das jeweilige Modell abgestimmt sein.
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Fazit: Welches war das verrückteste Smartphone aller Zeiten?
Die Entscheidung fällt schwer.
Das Nokia N90 verwandelte ein Handy beinahe in eine Videokamera. Das Nokia 7600 stellte sogar die klassische Form eines Mobiltelefons infrage. Das YotaPhone packte einen E-Reader auf die Rückseite und das LG Wing verwandelte sich durch eine Drehbewegung in ein Smartphone mit zwei Displays.
Das Xiaomi Mi Mix Alpha ging wiederum einen völlig anderen Weg und machte beinahe das komplette Gehäuse zum Bildschirm.
Besonders spannend ist jedoch das Samsung Galaxy Fold. Es zeigt, dass aus einer zunächst verrückt wirkenden Idee tatsächlich eine neue Produktkategorie entstehen kann.
Genau diese Geräte machen die Geschichte der Mobiltelefone und Smartphones so interessant: Nicht jedes Experiment war erfolgreich – aber ohne ungewöhnliche Ideen gäbe es viele der Technologien, die wir heute selbstverständlich nutzen, möglicherweise überhaupt nicht.